Der Osterhase

Der Osterhase

Die Frühlingssonne schien in das Fenster der Osterhasenwohnung und sah, dass der Osterhase Olli im Bett lag und schlief. Er lächelte selig im Schlaf und kuschelte sich in die gemütlichen Kissen. Das geht doch nicht, dachte die Sonne. Sie kitzelte ihn an der Nase.
Olli öffnete seine Augen und nieste. Dann gähnte er herzhaft und stand ganz langsam auf. Er räkelte sich, streckte die Arme und Beine und gähnte wieder. Da knackte es im Rücken.
Olli hielt erschrocken inne. Was war das? Er streckte probehalber noch einmal die Arme hoch und wieder knackte es, diesmal in den Schultern. Olli ließ vorsichtig die Arme sinken. Er war krank.
Oh, er war bestimmt sehr, sehr krank. Hatte er vielleicht ….oh, daran wollte er gar nicht denken.
In dem Moment kam Trudi, Ollis Frau, in das Zimmer. Freundlich fragte sie ihn, ob er gut geschlafen hätte. Olli seufzte tief auf und dann noch einmal. „Mir geht es nicht gut“, flüsterte er. Trudi schaute ihren Olli erstaunt an. „Wieso geht es dir nicht gut, bist du noch müde?“, fragte sie. „Hasi, du musst jetzt aber wach werden. Ostern ist nicht mehr lang hin. Die Eier müssen versteckt werden.“
„Du sollst nicht immer Hasi zu mir sagen“, sagte Olli weinerlich.
„Ja, ja ich weiß Hasi…, aber du musst trotzdem aufstehen“, erwiderte Trudi. Olli gab noch nicht auf. „Nein, ich kann nicht. Mir tut der Rücken so weh, die Arme, die Beine, überhaupt alles .“
Dann überlegte er kurz und sagte mit fester Stimme: „Der Weihnachtsmann kann in diesem Jahr für mich einspringen. Der Alte ist doch noch ganz fit und ich mach` dann dafür seine Schicht, …wenn ich dann nicht mehr krank bin.“
Trudi konnte es nicht fassen. „Was glaubst du denn, was wir hier die ganze Zeit, als du geschlafen hast, gemacht haben. Deine Kinder und ich haben schon gleich nach Weihnachten angefangen Ostereier herzustellen und zu bemalen und nun,…“, sie schnaufte empört, „und nun bist, verdammt noch mal, du dran die Ostereier zu verstecken. Du hast nur, wie in jedem Jahr, deine Frühjahrsmüdigkeit. Mehr nicht, du bist nicht krank. Der Weihnachtmann hat sich seinen Jahresurlaub redlich verdient und ist schon nach Teneriffa abgereist. Also mach dich auf die Läufe.“ Sie hatte sich in Rage geredet.
Olli schaute verzagt auf Trudi. „ Ich bin aber doch krank“, jammerte er, „ich geh` zum Doktor und lass mich krank schreiben. Ich kann die schweren Eierkörbe nicht tragen.“
Was könnte ich nur machen, überlegte Trudi. Dann, plötzlich hatte sie eine Idee. Der Vermieter ihrer Hasenwohnung wohnte nicht weit weg und war ein netter, älterer Herr. Er konnte nicht mehr so gut laufen und benutzte deshalb oft einen Rollator. Vielleicht kann ich mir den mal ausleihen, dachte Trudi. Der alte Herr hatte wirklich Verständnis für die schwere Arbeit des Osterhasen. Er könne auch mal ohne auskommen. Trudi nahm überglücklich den Rollator mit.
Wieder in ihrer Hasenwohnung angekommen, stellte sie die Körbe mit den Ostereiern auf den Rollator. „So Hasi, nun brauchst du nicht mehr zu schleppen. Geht ganz leicht so“, lachte sie.
„Du sollst nicht immer H…, ach was soll`s“, dachte Olli, seiner Hasenfrau fällt doch immer was ein, nun gab es keine Ausflüchte mehr. Der Osterhase packte den voll beladenen Rollator und machte sich, wie in jedem Jahr, auf seine Ostereierversteckentour.

Und falls Euch in diesem Jahr ein Osterhase mit Rollator begegnet, könnte das vielleicht…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*